Storytelling im Stadtbild

Von Susanne Brandau-Herzet

Die Graffiti-Künstler von „GOODLACK“ haben in Köln ein festes Standbein – und mittlerweile das Stadtbild an vielen Stellen schöner und interessanter gemacht. Ihre kunstvollen Auftragsarbeiten für Unternehmen und private Kunden zeigen, dass Streetart mit Farbe und Texten in den Köpfen und Herzen der Menschen angekommen ist.

Zu Ihren Kunden zählen die Stadt Köln, RTL und die KVB. Sie bringen Farbe in Firmenevents und Kreatives in Workshops für Kinder und Kunden jeder Couleur. Ron Voigt und John Iven, die Künstler und Köpfe von „GOODLACK“. In ihrem Atelier in Ehrenfeld und auf den Straßen der Domstadt entsteht seit 14 Jahren Sehenswertes:  Werke der beiden Streetartisten findet man an Fassaden, auf Garagentoren, Stromkästen ebenso wie an Haus- und Ladeneingängen. „Insgesamt dürften das für Köln so an die 100 Arbeiten sein“, zieht John Iven Bilanz. Von dieser gestalterischen Präsenz können Architekten nur träumen.

Ob Norden, Osten, Westen oder Süden – wer die bunten Wände, Oberflächen und Verschönerungen von Stadträumen in Köln einmal gesehen hat, der nimmt sie als phantasievolle Bereicherung des eigenen Lebensumfeldes wahr.

Geschichte in Zeichen

atwork2Letztes Jahr etwa hat die Fassade des Bioladens „Kraut und Rüben“ im Agnesviertel einen kreativen Anstrich bekommen. Heute rahmen hell- und dunkelgrüne Salatblätter das Schaufenster ein und machen es zum Hingucker. Viel Aufmerksamkeit bekamen ein paar Jahre zuvor auch die fotorealistischen Apfelsinen auf dem Festwagen für den Rosenmontagszug der Nippeser Bürgerwehr.

In Niehl ist die prägnanteste Fassade des Künstlerduos heute fast so etwas wie ein Wahrzeichen – das Hochhaus an der Friedrich-Karl-Straße mit der Kölner Skyline. „Das war eine lange Geschichte“, erinnert sich Ron. Entstanden ist die terracottafarbene Silhouette vor sechs Jahren, als die R&R Immobilien auf diese Möglichkeit der Fassengestaltung aufmerksam wurde. „Die Entwurfsphase dauerte vier Monate, denn es galt, die Geschmäcker von vielen auf einen Nenner zu bringen. Nach gefühlten 100 Skizzen haben wir dann die Kölner Skyline vorgeschlagen – und das gefiel allen auf Anhieb“, so John. Im Sommer 2009 wurde der Auftrag ausgeführt.

Für Bewohner und Passanten ist so eine Goodlack-Aktion immer spektakulär. Aber auch Ron und John stehen bei ihren Aufträgen vor immer neuen Herausforderungen. In diesem Fall wurde das Objekt von einer Fensterputzgondel aus bei Windstärke sechs gemalt. „Wir sind während der Malerei nicht nur stark hin- und hergeschwungen“, erzählen die beiden. „Nach einem Defekt und der daraus resultierenden Schieflage der Gondel mussten wir in 30 Metern not-aussteigen…“ Das ist voller Kunst-Einsatz. Das Werk ist heute mit stolzen 40 Metern die größte gemalte Kölner Skyline.

Phantasievolle Kaffeefahrt

In Neuehrenfeld kennt dieses Haus jeder: Das leuchtend gelbe „MS Ehrenfeld“- Mehrfamilienhaus an der Iltisstraße, ein fröhlicher Rheindampfer, so sieht es aus. Die auffällige Fassadengestaltung  – eine phantasievolle Kaffeefahrt durch Ehrenfeld samt Darstellung tierischer Wasserbewohner und rot-weißer Rettungsringe – ist eine Arbeit von 2008. Die gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Ehrenfeld hatte sie in Auftrag gegeben. Ein gutes Beispiel dafür, wie Wandkunst Einzug gehalten hat in den Köpfen von Wohnraumgestaltern. Denn das einst hässliche Haus hätte auch abgerissen werden können, doch GWD-Vorstand Georg Potschka hatte eine andere Idee: „Neugestaltung statt Abriss“.

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„Da das Haus im ehemaligen Chinesenviertel liegt und die Iltistraße nach dem Kanonenboot Iltis benannt wurde, das seine blutige Beteiligung am Boxeraufstand hatte, entschieden wir uns für die friedliche Version des Kanonenboots“, erläutern Ron Voigt und John Iven die Entstehungsgeschichte der MS Ehrenfeld.

So wurde durch das Mittel der Illusionsmalerei ein Haus zum Rheindampfer für ältere Damen und Herren mitten im Viertel

Auch in Vogelsang hat Farbe Einzug gehalten. Im Auftrag des Bauunternehmens Friedrich Wassermann entstand 2011 das Mural (Begriff siehe Kasten) „Joy of Music“ und versetzt seitdem Rad- wie Autofahrer, Passanten und Anwohner in Bewegung und fröhliche Stimmung. Eines der neueren Werke von GOODLACK kann man in Köln-Ossendorf bewundern. Die aufwändige Brückengestaltung für die KVB wurde 2012 umgesetzt. Die Kölner Verkehrsbetriebe gaben den Auftrag für die Gestaltung der Brückenunterführung durch GOODLACK, um dem Graffiti-Wildwuchs, der sich schnell an solchen Orten Bahn bricht, etwas entgegenzusetzen. Das Motiv sollte einen Bezug zum historischen Flughafen Butzweilerhof haben und an das Großereignis von 1909 erinnern, als Graf Zeppelin sein Luftschiff von Frankfurt nach Köln steuerte und nach Überflug über Dom und Stadt schließlich in der neuerrichteten Luftschiffhalle am Ossendorfer Weg landete. Für die Kölner ein Großereignis, bei dem die Menschen nicht nur Kopf, sondern auf den Dächern der Stadt standen.

Storytelling im Stadtraum

Content Queen PR Blog Unitymedia GraffitiyStorytelling im Stadtraum kann durchlässig sein und offen nach innen. So kam es 2010 zu der witzigen Idee des Telekommunikationsunternehmen Unitymedia, für eine Weihnachtsfeier in den Firmenräumen in Köln-Mülheim eine Wand ganz im Streetart-Stil zum Hingucker zu machen. An den Weihnachtsmann erinnert bei dem bärtigen Mann mit Tattoos nur der rote Sessel, der Schokoladen-Osterhase ist seiner Zeit voraus, wie die Sprechblase vermuten läßt.

Einen ganz anderen Stil in der Ausführung sieht man beim Großhandel für Malerbedarf, der Firma Traudt, ebenfalls in Mülheim. Die abstrakten Farbflecken auf dem Parkplatz entspannen seit 2006 das Auge und inspirieren sicher auch den ein oder anderen Maler zu eigenen Ideen. Die Kunden kommen mit den unterschiedlichsten Ideen, Wünschen und Träumen zu GOODLACK.

In Dellbrück zum Beispiel hat sich jemand seinen ganz persönlichen Eisenbahntraum erfüllt und sich eine Lok auf sein Garagentor sprühen lassen. „Die Menschen haben Freude daran, mit uns Dinge Gestalt annehmen zu lassen“, so die einstigen Graffiti-Künstler, die heute auf der einen Seite Unternehmer sind und von ihren Arbeiten leben können, sich auf der anderen Seite mit freien Projekten und Kunst-Initiativen ihren Raum für unabhängige Kreativität bewahrt haben.

 

Alle wollen immer ein Stück eigene Geschichte visualisiert haben

ART-Wände kommunzieren

3.3 rewe_zollstockSo können die Sülzer sich schon seit 2006 visuell im „Limonadenozean“ erfrischen, den Ron & John für einen REWE-Supermarkt gestalteten. Im letzten Jahr setzte auch das Max Plank Institut der Uniklinik Köln auf die positive Wirkung von Kunst mit einer breiten Wandgestaltung für seinen Spielplatz. Jung und Alt im Zusammenspiel miteinander und den vier Jahreszeiten so das Thema. Auftragskunst, die auch mit das Ziel verfolgt, die Umgebung der Menschen aufzuhellen, aufzulockern, neue kreative Kraft zu spenden. Gesundheit und ein besseres Miteinander fördert das Wandbild definitiv. Und zieht Blicke und Ideen auf sich.

Die von Privatkunden wie Thomas Lang aus Lindenthal zum Beispiel. Der Kölner Zahnarzt hat sich auf seinem Grundstück ein ausgefallenes Motiv gewünscht. Und so  ziert seit kurzem eine Phantasielandschaft, bestehend aus einer aggressiven Möwe und Qualle, die den im Sand versinkenden Kölner Dom umkreisen, seine neue Garagenwand. „Ich liebe Köln und Juist, die Möwe mit Zahnbürste steht für meine Praxis. Das Ganze kommt actionreich daher, „das war meine Idee“, sagt der Doktor und Besitzer eines echten „GOODLACK“-Gemäldes nicht ohne Stolz. Die Resonanz der Nachbarn sei ausgesprochen positiv. Das zeichnet die Außen- wie übrigens auch Innenraumgestaltungen von Ron Voigt und John Iven generell aus: Man sieht sie gerne und immer wieder gerne an – und kommt im Idealfall sogar darüber ins Gespräch. Mit Graffiti hat das nichts am Hut.

Urban Art für Dich

atworkGOODLACK, das sind John Iven und Ron Voigt. Vor 14 Jahren begannen sie, Auftragsarbeiten anzunehmen und professionell umzusetzen. „Wir malen für Sie“, werben die beiden mit dem großen Repertoire an Stilmitteln und Umsetzungsmöglichkeiten. Ob fotorealistisch, abstrakt, Comicstyle, Design, Streetart, Graffiti oder Illusionsmalerei – spielend setzt das Kreativduo individuelle Kundenwünsche an Wänden (auch innen) auf Leinwänden und Oberflächen vom Fahrzeug bis zum Stromkasten um. Das Besprühen eines Garagentor oder einer überschaubaren Oberfläche wie einer Hofwand dauert etwa 2 Tage. Allen Aufträgen geht eine ausführliche Beratung zu allen Schritten der Gestaltung vom Anstrich bis zur Fixierung voraus. GOODLACK verwendet qualitativ hochwertige Farben mit hoher Lichtbeständigkeit und langer Haltbarkeit.

Zum Portfolio von GOODLACK gehören auch Streetart-Workshops für Kinder und Jugendliche sowie für Manager und Firmen. Zu ihren Kunden zählen u.a. RTL, die Stadt Köln, REWE, Rheinenergie AG, KVB, die Universitätskliniken Köln, Unitymedie Köln, das Festkomitee Kölner Karneval u.v.m. www.goodlack.de

Kunst zurück in die Stadt

Das CityLeaks Festival: Anfang der 1990er Jahre verlor die historisch gewachsene Kunstmetropole Köln stark an Ausstrahlung. Hohe Mietpreise für Ateliers und Ausstellungsflächen trugen u.a. dazu bei, dass zahlreiche Künstler und Galerien nach Berlin, München oder London abwanderten. Das im Herbst 2011 von den beiden Kölner Kunstvereinen artmx e.V. und Colourrevolution e.V. erstmals realisierte „CityLeaks Urban Art Festival“ änderte das. Lokale wie internationale Künstler durfen legal Wände gestalten und sie im Rahmen einer Ausstellung präsentieren. Das Ziel, die Akzeptanz von Streetart zu erhöhen und die Vielseitigkeit dieser Kunst zu zeigen, ist aufgegangen. Nicht nur innerhalb der Streetart-Szene hat CityLeaks viel verändert: Die Kunst auf Oberflächen im Stadtraum hat seitdem immer mehr Menschen und Bürger angesprochen. John Iven und Ron Voigt engagieren sich seit Jahren mit für diesen Bewusstseinswandel. „Mit unseren Arbeiten und mit GOODLACK bringen wir Leichtigkeit in den Alltag der Menschen“, so die beiden Maler und Multiplikatoren von Urban Art für die Öffentlichkeit wie privat. www.cityleaks-festival.de

Sämtliche Fotos: goodlack©goodlack-art.de/Ron Voigt

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Foto: el bocho

Streetart-Techniken

  • Mural   Ein in der Regel legales Wandgemälde im öffentlichen Raum. Der Malvorgang ist lang und aufwändig. Öffentliche Aufträge von GOODLACK sind in der Regel Murals
  • Stencil/ Pochoir   Schablonengraffiti. Eine Schablone aus Papier, Pappe oder Plastik wird verwendet, um ein Motiv beliebig oft mit Sprühlack im öffentlichen Raum zu platzieren. Einer der berühmtesten Stencil-Artisten ist der britische Künstler Bansky.
  • Paste-Up   Poster aus Papier, Tapete oder Stoffen, die bemalt, bedruckt oder besprüht wurden und dann im Stadtraum verklebt werden. Ausgeschnittene Paste-Up-Motive nennt man Cut-out oder Scherenschnitt.
  • Sticker   Vorgefertigte Motive, die schnelle Verbreitung finden sollen. Viele Künstler stickern Motive analog zu ihren Werken, sie hinterlassen quasi Marken und Absender.
  • Tile Art/ Kacheln   Vorgefertigte Kacheln werden durch Ankleben oder gezieltes Austauschen von Bodenplatten angebracht.
  • Graffiti   Graffitis nennt man auch Tag, Throw-Up oder Piece. Die Wandbilder stellen meistens einen Writernamen und seine Signatur dar. Ein Tag ist ein Signaturkürzel, oft schnell und einfarbig. Ein Throw-Up ist ein schnelles, nur wenig  ausgearbeitetes Piece, teilweise sind hier die Buchstaben nur teilweise farblich ausgefüllt. Linie und Dynamik ist das, was die Szene hier bei illegalen Graffitis feiert und Hausbesitzer wie Unternehmen oft ärgert.
  • Reverse Graffity   Bringt Differenzierung ins Bild und zeigt den Weg hin zur konstruktiven Streetart. Die Motive entstehen allein durch das Entfernen von Farb-, Schmutz- oder Rußschichten, fügen einem Gebäude also keinen Schaden oder Farbschichten hinzu.

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